Ich kann es nicht wirklich begründen. Aber möglicherweise habe ich das Gefühl, von Lissabon ein wenig enttäuscht worden zu sein, weil angesichts der Lobeshymnen, die ich vorher gelesen und gehört habe, meine Erwartungen vielleicht zu hochgeschraubt waren. Aber ein Grund ist ganz sicher, dass große Teile Lissabons, die ich gesehen habe, baulich nicht sonderlich gut erhalten, zum Teil sogar heruntergekommen sind. Der Elevador de Santa Justa, die drei Ascensores und die alten Straßenbahnen sind sehr außergewöhnlich, aber irgendwie auch ein Hinweis darauf, dass Lissabon in und von der Vergangenheit lebt, wenn auch ganz anders als Rom. Die vier Miradouros, Aussichtspunkte, fand ich, vor allem nach dem, was Barcelona diesbezüglich zu bieten hat, nicht besonders aussichtsreich. Ein echtes Erlebnis ist allerdings die drei Kilometer lange Ponte 25 Abril, eine Hängebrücke über den Tejo, über die ich mit meinem Mofo gefahren bin. Die 17 Kilometer lange Ponte Vasco da Gama, eine Schrägseilbrücke, führt ebenfalls über den Tejo, wirkt jedoch eher wie eine Autobahn.

 

 In Lissabon lässt sich die Erfahrung machen, welche Anziehungskraft ein Aufzug und alte Straßenbahnen haben können. Nun ist der Elevador de Santa Justa nicht wirklich ein schlichter Aufzug, sondern sehr nett anzusehen. Aber für die paar Meter in die Höhe, die auch über die Straßen erreicht werden kann, sehr lange anzustehen, verlangt schon eine gewisse Zuneigung, wirkt schon fast fanatisch. Der Ausblick von dort oben auf die City ist sehr gut. Angesichts der alten Straßenbahnen, die durch die Stadt geistern, fallen die neuen überhaupt nicht auf. Sehr beliebt sind auch die Ascensores, drei Straßenbahnen, deren Weg keine 500 Meter lang ist, aber steil ansteigt. Anscheinend ist mindestens eine solche Fahrt ein Muss.

Ein echtes Erlebnis war die Fahrt mit dem Motorroller über die Ponte 25 Abril. Die Fahrfläche ist aus verschiedenen Materialien mit entsprechend unterschiedlichen und zum Teil völlig unbekannten Fahrgeräuschen und der Ausblick auf den Tejo und in die Weite einfach toll. Einer der Pfeiler auf der Seite Lissabons, Pilar 7, wird als Besichtigungs- und Aussichtsturm sowie als Ausstellungsraum genutzt. Was regengeschützt unter der Brücke eingerichtet worden ist, wird auf den letzten Fotos der folgenden Galerie erklärt.

Die vier Miradouros, Aussichtspunkte, die allenthalben angepriesen werden, fand ich ausgesprochen enttäuschend. Sie liegen für einen guten Blick über die Stadt schlicht und ergreifend nicht hoch genug.

Belém, Portugiesisch für Bethlehem, gilt als charmanter Bezirk im Westen Lissabons mit zahlreichen beliebten Touristenattraktionen, die in den Bildunterschriften erklärt werden. Warum einige Fotos eher merkwürdig geraten sind, weiß ich nicht. Später war mein Fotoapparat völlig hin und ich musste auf mein Smartphone zurückgreifen, was mir ausgesprochen gut gefallen hat. Das wollte ich vorher nicht wahrhaben.

Lissabon hat etliche attraktive große Gebäude, in denen Institutionen untergebracht sind. Die privaten Häuser machen allerdings sehr häufig einen ganz schlechten Eindruck, sind nicht nur nicht gepflegt, sondern heruntergewirtschaftet. Das ist ausgesprochen schade, weil sehr viele Fassaden ursprünglich wunderbar gestaltet worden sind.

Das Museu do Fado kann es nur in Portugal und vor allem in Lissabon geben. Andere Museen waren für mich samt dem, was sie bieten, eine ziemliche Überraschung.

Der Parque Eduardo VII de Inglaterra ist der größte innerstädtische Park Lissabons. Er ist nach einem britischen Regenten benannt, der 1903 Portugal besucht hat.

Die Plätze Lissabons liegen nicht nur einfach da, sondern werden markant und auch attraktiv durch die Gestaltung mittels eines Bogens, auch ganz ohne Triumph, einer Skulptur oder eines Brunnens.

Mein Verhältnis zur Religion ist nicht etwa nicht gut, ich habe schon seit 50 Jahren keins mehr. Aber trotzdem ignoriere ich reliöse Einrichtungen und Gebäude nicht.

Von der Existenz der Ponte Vasco da Gama habe ich leider erst erfahren, als ich den geliehenen Motorroller nur noch einen Tag hatte. An diesem wollte ich die Ascensores und die Brücke erleben. Da aber an diesem Tag 10.000 Menschen einen ganzen oder halben Marathon durch die Stadt gelaufen sind, wurde ich durch Google Maps wegen der Polizeisperren ständig im Kreis geführt. An eine Fahrt zur Brücke war daher nicht zu denken. Ein Taxifahrer hat mir eine Fahrt dorthin für nicht einmal 30,-- € angeboten. Dabaei war ich davon ausgegangen, er würde mich bis zur Landseite Lissabons bringen, so dass ich mir die Brücke würde ansehen können. Er ist aber hin und zurück über die fast 17 km der Brücke gefahren, was überraschenderweise incl. Maut nur 35,-- € gekostet hat. Ein wirkliches Erlebnis war diese Fahrt im Gegensatz zu der über die Ponte 25 Abril nicht.

Nicht weit entfernt von Lissabon liegt Cascais, das mit einem Boca do Inferno, einem Höllenmund, lockt. So etwas hatten mein Sohn Robert und ich in Australien erlebt und das war echt spannend. Dagegen ist die Erfindung des Namens Boca do Inferno für ein schlichtes Loch in einem Felsen, durch das Wasser läuft, ziemlich kühn. Wirkt aber, was die Besucherzahl beweist, touristisch, wie es soll.

Village Underground ist ein Ort der Zusammenarbeit kreativ Tätiger sowie für kulturelle Veranstaltungen, was sich nicht gut fotografieren lässt. Die LXFactory gilt ebenfalls als, nun ja, „alternativ“. Ich habe sie eher als große Ansammlung von Restaurants und Geschäften wahrgenommen. Allerdings findet künstlerische Arbeit auch nicht unbedingt auf der Straße statt.

Der Verkehr in Lissabon ist in weiten Bereichen bestimmt durch enge Straßen. Das stört diejenigen, die am Steuer eines Linienbusses sitzen, wenig. Für den touristischen Verkehr werden vor allem kleine dreirädrige Wagen angeboten. Mit dem geliehenen Motorroller durfte ich die auf breiten Straßen vorhandene Busspur benutzen, was das Vorwärtskommen erheblich erleichtert hat.

Benfica ist nicht nur der Name eines Fußballvereins, sondern auch eines Stadtteils, aus dem der Verein kommen dürfte. Sporting Lissabon ist wohl insgesamt weniger erfolgreich, hatte auch keinen Eusebio, dürfte aber, wie ich es verstanden habe, nicht weniger beliebt sein. Tennis findet in Lissabon selbst wohl weniger statt, zumindest international. Dafür musste ich nach Estoril fahren, wo im Clubhaus des Vereins, der ein größeres Turnier ausrichtet, ein großes Plakat einen deutschen Tennisspieler präsentierte.

Lissabon hat ziemlich viel Originelles zu bieten, wenn mich das auch nicht immer überzeugt hat. Einiges war nur aus meiner Sicht originell. Worum es sich bei all diesem gehandelt hat, wird in den Bildunterschriften erklärt.

Sintra ist mir als nettes Städtchen eine halbe Fahrstunde von Lissabon empfohlen worden. Leider habe ich zu lange mit meinem Besuch gewartet. Zunächst war es nur bedeckt, aber dann hat es geregnet. Ich habe daher auf den Besuch der in der nachfolgenden Galerie zu sehenden Orte verzichtet. Auf jeden Fall wollte ich zum westlichsten Punkt Europas: Cabo da Roca. Auf dem Weg dorthin hat es nicht nur geregnet, sondern geschüttet. Aber da ich einmal unterwegs war und die Luft einigermaßen warm, habe ich das in Kauf genommen. Allerdings zeichnet den westlichsten Punkt Europas nichts wirklich aus. Als ich dort fotografieren wollte, war mit meiner Kamera endgültig Feierabend. Auch eine Erinnerung.