Guten Tag!

Wer mit Wissenschaft zu tun hat oder hatte, ist ganz sicher von diesem Text amüsiert: Prof. Dr. Gert Ableiter, Festrede zur Eröffnung des Instituts für Zitierwirtschaft (IZB) an der Universität zu Köln.

Bei Gelegenheit wird dieser Hinweis unter Gutes von anderen stehen. Philipp von Becker hat als Freitag-Community-Mitglied zusammengestellt, was noch einmal die Frage aufwirft: Schöne neue Welt? Willkommen in der Hölle des 21. Jahrhunderts.

Falls der Link zur Hölle“ nicht mehr funktionieren sollte, ist der Text in dieser pdf-Datei verfügbar.

Mit Kathrin Giesbert betrachte ich die Tatsache, dass es bei Wahlen in diesem Land keine Möglichkeit der Stimmenthaltung gibt, als verfassungs- und vor allem menschenrechtswidrig. Gegen die Zurückweisung unserer Anfechtung der Kommunalwahl 2014 haben wir vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Klage erhoben. Unsere Klageschrift, die Begründung der Wahlanfechtung, die Stellungnahme der Stadt Dortmund gegenüber dem Verwaltungsgericht sowie unsere Entgegnung darauf finden Sie hier. Es hat gedauert bis zur Verhandlung unserer Klage vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, die am 19. Oktober 2016 stattgefunden hat. Berichtet haben darüber die Ruhr Nachrichten und Radio 91.2. Das Gericht erklärte mit Bezug auf Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts: Wenn der Gesetzgeber es wollte, könnte er die Möglichkeit einer Stimmenthaltung bei Wahlen einführen, er sei aber von keinem Gericht dazu zu verpflichten. Der Bezug auf die Menschenrechte sei nicht geeignet, eine solche Regelung zu erzwingen, weil diese quasi eine unverbindliche Empfehlung seien, der der Gesetzgeber nicht folgen müsse. Wir haben daraufhin unsere Klage zurückgezogen.

Zum Jahresbeginn 2016 verbreiten die Ruhr Nachrichten Privates über den, unter anderem, Ex-Regierungspräsidenten von Arnsberg namens Gerd Bollermann, sorry Dr. Gerd Bollermann, der sich, als er diese Berufsbezeichnung noch führen durfte, vornehmlich als Professor Bollermann anreden ließ. Meine einzige Erinnerung an Bollermann, mit dem ich während meiner Ratszeit häufiger im selben Saal gesessen habe, ist, dass er im Rat immer betonen musste, was er äußere, sei „klar und deutlich“. Irgendwann hatte ich die Nase davon voll, habe mich gemeldet und gefragt: „Herr Bollermann, wenn Sie nicht ausdrücklich erklären, dass Sie etwas 'klar und deutlich' sagen und meinen, muss ich dann davon ausgehen, dass es unklar und undeutlich ist?“ Zwei bis drei Wortmeldungen später kommt Bollermann an die Reihe und Wolfgang Penning, CDU, ruft: „Aber bitte klar und deutlich!“ Es dauert keine zwei Sätze und Bollermann spricht diese Worte: „Ich sage das hier klar und deutlich.“ Es folgte, was es so selten bis nie vorher und nachher gegeben haben dürfte: Der Rat der Stadt Dortmund lag komplett vor Lachen unter dem Tisch. Außer Bollermann, der das ganz sicher nicht verstanden hat, obwohl es „klar und deutlich“ war.

Obwohl der Zeitraum, in dem ich kommunalpolitisch aktiv war, doppelt solange zurückliegt, wie er gedauert hat, werde ich auch heute hin und wieder gefragt: „Machen Sie noch Kommunalpolitik?“ Nicht wirklich ein Lob für die, die danach gekommen sind. Meine Antwort: „Wenn das so wäre, würden Sie es bemerken und müssten nicht fragen.“ Aber da ich mich eine ganze Weile nach dem Abschied hin und wieder kommunalpolitisch geäußert und neulich den Anstoß gegeben habe, eine nach einem politischen Verbrecher benannte Straße umzubenennen, ist die Frage vielleicht verständlich.

„Ich vermisse Ihre Leserbriefe.“ Diesen Satz habe ich in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Variationen („kritisch“, „bissig“) immer mal wieder gehört. Zuletzt von der Sekretärin der katholischen Kirchengemeinde, in der ich aufgewachsen bin. Dieses „Missing“ hat selbstverständlich einen Grund. Im Mai 2011 hat die Dortmunder Lokalredaktion der Ruhr Nachrichten einen ihrer Mitarbeiter für einen, nach meiner Beurteilung, Hetzartikel à la „Bild“ von der Leine gelassen, der am 01.06.2011 erschienen ist. Dieser handelt von Günther Zimmermann, einem „Sonderling“, der nach seinem Tod 4 Mio. Euro für gemeinnützige Zwecke hinterlassen hat. Aber in den RN wurde Zimmermann dafür nicht mit Lob, sondern mit Hektolitern Gülle überschüttet. Ich war nicht der Einzige, der sich dazu – nein, nicht kritisch geäußert, sondern in einem Leserbrief darüber aufgeregt hat. Allerdings hat der Schreiber, der behauptet hatte, einige zustimmende Briefe erhalten zu haben, nach weiteren zwei Wochen endlich einen Voyeur gefunden, der seinen Artikel prima fand – einen evangelischen Pastor aus Lütgendortmund . Dieser wurde praktisch unterstützt durch die Diakonie, die die Verteilung der 4 Mio. Euro übernommen hat, deren christliche Nächstenliebe jedoch damit erschöpft war, so dass sie den Verstorbenen nicht gegen die RN in Schutz nehmen konnte. Nein, sie wollte nicht. Schließlich wird die Diakonie Zeitung vom RN-Verlag produziert. Wer wollte da „protestantisch“ der RN-Redaktion kritisch kommen? Artikel-Schreiber und Redaktion fanden die Kritik sowieso nicht angebracht, sondern die Infamie gegenüber einem Toten, für den sich keine Verwandten mehr verwenden konnten, richtig gelungen. Da ich mit solchen Leuten nichts zu tun haben möchte, war und ist mein Name in den RN nicht mehr unter einem Leserbrief zu lesen. Und weil in Dortmund zwar drei Zeitungstitel angeboten werden, alle Lokalteile jedoch von den RN stammen, habe ich weder die Möglichkeit noch gibt es einen Sinn, mich gegenüber WR oder WAZ „kritisch“ oder auch „bissig“ zu äußern. Aber es gibt ja diese Webseite.

Ansonsten lese ich gerne unterhaltsame und spannende Literatur. Hin und wieder bringe ich etwas zu Papier oder Bildschirm. Und da ich in den vergangenen Jahren viele Texte redigiert und korrigiert habe, ist es nicht ausgeblieben, dass mir auch bei der Alltagslektüre aufgefallen ist, wie – freundlich ausgedrückt – nachlässig der Umgang mit der deutschen Sprache in hiesigen Medien ist. Diesem Sachverhalt habe ich einen Text mit einem leider nicht sonderlich weit verbreiteten Motto gewidmet: „Schreiben Sie, was Sie meinen, sonst meine ich, was Sie schreiben.“

Auf dieser Webseite sind in verschiedenen Kapiteln Texte versammelt, die ich in den vergangenen Jahren produziert habe und die vielleicht die eine oder der andere (noch einmal) lesen möchte, weil das, was darin thematisiert wird, nach wie vor aktuell, interessant oder auch brisant ist.

Ich wünsche bei der Lektüre viel Vergnügen oder gute Unterhaltung – ganz bestimmt täglich gesichert durch einen Blick auf die Webseite http://www.der-postillon.com/.

Rückmeldungen sehe ich unter richard-kelber(at)online.de gerne entgegen.